Auf dem Weg zu einer Anrechnungs- und Anerkennungskultur

28. Januar 2021

I. MODUS

Der Begriff „Modus“, lateinisch für „Regel“ oder „Maß“, bezeichnet –  so die Enzyklopädie für Philosophie und Wissenschaftstheorie – im Deutschen die Art und Weise, wie ein Gegenstand oder ein Verfahren bestimmt wird. Die Buchstabengleichheit mit dem Akronym des neuen HRK-Projektes erlaubt es, zwanglos etwas zu seiner Zielsetzung zu sagen: Die Hochschulen sollen darin unterstützt werden, die Verfahren von Anerkennung und Anrechnung so auszubuchstabieren, dass sie für Studierende optimal Mobilität und Durchlässigkeit stärken.

Welchen Mehrwert aber kann ein Projekt mit dieser Zielsetzung für die Hochschulen haben?

II. Lebenslanges Lernen und die Konsequenzen für die Hochschulen

Angesichts einer hochtechnisierten, globalisierten und sich ständig wandelnden Lebenswelt gehört die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen inzwischen zu den selbstverständlichen Bedingungen eines gelingenden Lebens. Dem entspricht national wie international eine kaum noch zu überblickende Vielfalt von Ausbildungs- und Bildungsan­ge­bo­ten. Auch wenn Lernende Standards einzuhalten haben, um bestimmte Bildungs- und Ausbil­dungs­ziele erreichen zu können, liegt doch ein solches Lernen, weil es lebensbegleitend ist, letztlich in der Verantwortung der Lernenden selbst.

Für die Hochschulen gleich welchen Typs, die als Institution des tertiären Bildungssektors eine höhere Bildung ver­mitteln und auf höhere berufliche Positionen vorbereiten, hat diese Gemengelage erhebliche Konsequenzen:

  • Zum einen tragen Hochschulen Verantwortung für die Bildungs- und Ausbildungs­stan­dards und bürgen mit ihrem Namen dafür, dass ihre Absolventinnen und Absol­venten diesen auch tat­säch­lich entsprechen. Zum anderen stehen mit dem Shift from teaching to learning nicht mehr die zu vermittelnden Inhalte, sondern die Lernenden, ihre Lernziele und ihr Kompetenzerwerb im Zentrum der Lehre.
  • Da Bildungs- und Aus­bil­dungsbiographien nicht mehr linear verlaufen, sind (Aus-)Bil­dungsangebote der Hochschulen nur dann attraktiv, wenn sie in einer Vielfalt von For­maten angeboten werden, so dass sie in unterschiedli­chen Abschnitten eines (Arbeits-)Lebens und unter unterschiedlichen Bedingungen wahrgenommen werden können.
  • Auf dem nationalen und internatio­na­len Markt der (Aus-)Bildungsanbieter sind Hochschulen zwar ein attraktiver, aber doch nur ein Anbie­ter unter vielen. Ihre Angebote zum Kompetenzerwerb konkurrieren in vielen Bereichen mit anderen, auch nicht-hochschulischen.

III. Entwicklung einer Anrechnungs- und Anerkennungskultur

Für Hochschulen folgt daraus:

  • Anrechnung und Anerkennung sind reguläre Tätigkeiten von Hochschulen und nicht deren Ausnahmen.
  • Studienangebote gleich welcher Art, seien es Studiengänge, Zertifikatsangebote o.ä., sind im Ausgang von ihren Lernzielen und von dem mit diesen verbundenen Kompetenzerwerb zu gestalten und zu dokumentieren, so dass Verfahren der Anerkennung und Anrechnung ohne großen Aufwand und mit größtmöglicher Transparenz durchgeführt werden können.
  • Studienabschlüsse sind Leistungsversprechen von Hochschulen gegenüber potentiellen Arbeitsgebern. Ihnen wird versichert, dass Absolventinnen und Absolventen ausweislich eines Prüfungsverfahrens über bestimmte Sets von Kompetenzen verfügen, gleichgültig bei welchem (Aus-)Bildungsanbieter der Erwerb einzelner Kompetenzen erfolgt ist.

Wird eine solche Praxis auf allen Ebenen der Hochschule gelebt, so fördert sie die Entwick­lung einer Anrechnungs- und Anerkennungskultur.

Diese kann von Hochschulen proaktiv genutzt werden, um gerade solche Studieninter­essierte für sich zu gewinnen, die ihre bei anderen (Aus-)Bildungsanbietern erworbenen Kompetenzen durch einem Hochschulstudium ausbauen möchten.

IV. Der Beitrag des Projekts MODUS

Das MODUS-Projekt der HRK kann Hochschulen dabei unterstützen, eine solche Kultur der Anerkennung und Anrechnung zu entwickeln.

MODUS kann …

… in Form von Workshops, Hand­reichungen und Beratungsangeboten verlässliche Informationen und erprobtes Wissen zu allen Fragen der Theorie und Praxis von Anrechnung und Anerkennung bereitstellen.

… thematische Transfer­projekte initiieren und begleiten, indem es Hochschulen miteinander vernetzt, von denen die einen Projektgeber für eine gelungene Anrechnungs- und Anerkennungspraxis und die anderen Projektnehmer einer solchen Praxis sind.

… helfen, gemeinsame Pilotprojekte im Bereich von Anrech­nung und Anerkennung zu entwickeln und umzusetzen: Beispielsweise könnte man für Studien­programme, die in vergleichbarer Weise an mehreren Hochschulstandorten angeboten werden, gemeinsam die Lernergebnisse und Kompetenzen definieren und in geeigneter Weise publizieren, die im Fall eines externen Erwerbs automatisch von diesen Hochschulen angerechnet oder anerkannt werden.

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