Kompetenz- und Lernergebnisorientierung

Mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen wurden die Studienstrukturen von den Hochschulen inhaltlich und didaktisch völlig neu an der Kompetenz- und Lernergebnisorientierung ausgerichtet. Kompetenzorientierung setzt einen grundsätzlichen Einstellungswandel bei den Lehrenden voraus. Dieses hochschuldidaktisch inspirierte Postulat einer kompetenzorientierten Gestaltung von Studiengängen, Modulen, Lehrveranstaltungen wurde konsequenterweise vom Bologna-Prozess seit 1999 aufgenommen; seine Ursprünge reichen jedoch viel weiter in die Entstehung der Hochschuldidaktik in Deutschland zurück.

Definitionen

  1. Kompetenzorientierung beschreibt einen grundsätzlichen Perspektivwechsel vom Lehrenden zum Lernenden, der den Erwerb von Kompetenzen im Umgang mit inhaltlichen Problemstellungen in den Mittelpunkt von Studium und Lehre stellt.
  2. Lernergebnisse lassen Aussagen darüber zu, was ein Lernender nach Abschluss eines Lernprozesses weiß, versteht und in der Lage ist zu tun oder anzuwenden. Es geht also darum, welche Kompetenzen Studierende im Laufe ihres Studiums erwerben. Lernergebnisse werden üblicherweise in zwei Dimensionen beschrieben: dem (fach-/wissensbezogenen) Inhalt, und einer Beschreibung dessen, was mit oder an den Inhalten gemacht werden soll. Von den Lernergebnissen sind Lehr- und Lernziele zu unterscheiden. Basis der Lernergebnisse sind die Kompetenzen, die von den Studierenden erworben werden sollen.

Bedeutung

Im Kern geht es bei der Kompetenzorientierung darum, Studierende in die Lage zu versetzen, einerseits mit Fachwissen und Haltungen umgehen zu lernen und andererseits, nicht nur fachwissenschaftliche Fähigkeiten, sondern auch Haltungen und Werte sowie überfachliche Schlüsselkompetenzen möglichst integrativ zu entwickeln. Denn Fachwissen ist zwar die Grundlage für hochschulische Leistungen, aber daraus allein erfolgt noch nicht die Fähigkeit, mit Wissen auch umgehen zu können. Akademische Studiengänge sollten daher nicht allein am Fachcurriculum orientiert sein, sondern auf der Grundlage von Wissensbeständen zu komplexen wissenschaftlichen Handlungen in der jeweiligen Fachkultur befähigen und zur Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit beitragen. Vgl. Ländergemeinsame Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz von 2003/2010 und Deutscher Qualifikationsrahmen für Hochschulabschlüsse (HQR).
 

Da der Kompetenzbegriff in den Bildungswissenschaften die Besonderheiten der akademischen Bildung nur teilweise abdeckt, war es v.a. dem Projekt nexus der Hochschulrektorenkonferenz (2010-2020) so wichtig, ein akademisch orientiertes Verständnis der Kompetenzorientierung in Studium und Lehre zu entwickeln. Auf dessen Grundlage ist von den Hochschulen, Fächern oder Studiengängen je nach Profil und Ausrichtung ein operativ passender Kompetenzbegriff weiter zu konkretisieren. So ist zunächst zu klären, welche Bildungs- und Qualifikationsziele mit einem Hochschulstudium verfolgt, welche Kompetenzen also entwickelt und gefördert werden sollen. Vier Kompetenzkategorien lassen sich dabei unterscheiden: die wissenschaftlich/künstlerische Befähigung, die zur Ausübung einer qualifizierten Berufstätigkeit, die zum zivilgesellschaftlichen Engagement und die Persönlichkeitsentwicklung. Bildungs- und Qualifikationsziele aus jeder dieser vier Kategorien sollten bei der Gestaltung von Studiengängen berücksichtigt werden. Sie gelten mehr oder weniger für alle Studienprogramme, wenn auch natürlich mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten. Wie die Ausprägung und Gewichtung der Kategorien in einzelnen Studiengängen realisiert wird, entscheiden die Fachkulturen bei der Gestaltung von Studiengängen und den begleitenden Maßnahmen.

Kompetenzbeschreibungen sind die Grundlage für Anerkennung und Anrechnung

Die Anerkennung von Lernergebnissen, Kompetenzen, Studien- und Prüfungsleistungen sowie abgeschlossenen Qualifikationen ist eine zentrale Voraussetzung für die Erleichterung der studentischen Mobilität und Flexibilisierung sowie Öffnung des Studiums für Studierende mit unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen. Sie ermöglicht individuelle Bildungsbiografien und fördert die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen.

Wenn Studierende die Gewissheit und Sicherheit haben, dass Leistungen von ausländischen Hochschulen für ihr Studium anerkannt werden, kann die von Deutschland angestrebte Mobilitätsrate von 50 Prozent tatsächlich auch erreicht werden. Anrechnungs- und Anerkennungsprozesse sollten daher an Hochschulen so etabliert werden, dass die Studierenden darauf vertrauen können, außerhalb der eigenen Hochschule erworbene Leistungen auch angerechnet bzw. anerkannt zu bekommen.

In diesem Kontext sind insbesondere hochschulische Beratungsstellen für beruflich Qualifizierte und anerkennungssuchende Studierende von hoher Bedeutung. Dazu gehören u.a. zuverlässige Informationen, eine klare Rechtslage, einheitliche Antragsformulare und ähnlich transparente Verfahren.

Lernergebnisse sind die zu prüfende Grundlage für die Anerkennung  erworbener Studienleistungen und die Anrechnung außerhochschulisch erworbener Kompetenzen. Eine kompetenzorientierte Studienganggestaltung setzt einen modularen Aufbau mit klar beschriebenen Lernergebnissen voraus und unterstützt damit erheblich den Anerkennungs- und Anrechnungsprozess.  Lernergebnisse sind somit das zentrale Element bei der Anerkennung in- und ausländischer Qualifikationen und Studienzeiten. Sie sind mit allen anderen Elementen einer Qualifikation verbunden und spiegeln diese wider: sie hängen unmittelbar mit dem Niveau, dem Workload und dem Profil einer Qualifikation zusammen und sind abhängig von , der Qualität der Hochschule und des Programms. Wenn Lernergebnisse bei der Bewertung einer in- oder ausländischen Qualifikation berücksichtigt werden, liegt der Schwerpunkt des Anerkennungsverfahrens auf den erworbenen Lernergebnissen und Kompetenzen anstatt auf z. B. Lehrinhalten und Workload.

Literatur/Links

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