Auftaktveranstaltung

am 2. und 3. Februar 2021 (online)

„Anerkennung und Anrechnung erfolgreich gestalten“

Mehr als 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Hochschulen und anderen Institutionen nahmen an der zweitägigen Online-Auftaktveranstaltung des Projekts MODUS teil. Sie diskutierten in verschiedenen Gesprächsrunden, Foren und in einem Barcamp intensiv über Status quo und Zukunft von Anerkennung und Anrechnung.

In seiner Eröffnungsrede betonte HRK-Vizepräsident Oliver Günther die Bedeutung von MODUS, da es den Austausch mit allen Hochschulen über gelungene Praxisbeispiele fördere und seine Unterstützung für die Hochschulen biete. Hochschulen haben in den vergangenen Jahren z.T. beträchtliche Anstrengungen zur Förderung von Mobilität und Durchlässigkeit unternommen, sehen sich allerdings weiterhin steigenden Anforderungen ausgesetzt, nicht zuletzt wegen der wachsenden Ansprüche der Studierenden nach mehr Mobilität, Durchlässigkeit und Flexibilisierung im Europäischen Hochschulraum. HRK-Präsident Peter-André Alt hob hervor, dass MODUS den Auftrag habe, die inner- und außerhochschulischen Akteure mit ihren unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen und überzeugende Lösungen zu vermitteln.

In der ersten Gesprächsrunde mit Hochschulleitungen wurde zudem gefordert, bei der Digitalisierung nicht die Inhalte, sondern die Schnittstellen zu standardisieren, um eine einfache Übertragung zwischen den Institutionen zu ermöglichen. Bei der Weiterentwicklung von Anrechnung und Anerkennung müssten auch die Hürden in den Köpfen der Akteure überwunden werden. Dabei könne man den nötigen Kulturwandel nicht verordnen, sondern man müsse ihn fördern. Eine weitere Folge der Digitalisierung sei es, dass die Verfahren nicht nur effizienter, sondern auch transparenter gestaltet werden müssten. Man könne dabei auch von den europäischen Nachbarn lernen, die Anrechnung und Anerkennung zum Teil weniger bürokratisch handhaben würden. Von Seiten der Studierenden wurde gefordert, sie noch stärker in die Planung der Prozesse einzubeziehen und ihnen die notwendigen Informationen adressatengerecht zur Verfügung zu stellen. So seien sich etwa beruflich Qualifizierte ihrer anrechenbaren Kompetenzen nicht immer bewusst. Zudem sei der weitgehend noch ungeklärte Status der Studierenden in der Anrechnung eine Herausforderung bei der Einführung von(technischen) Verwaltungsabläufen in Hochschulen.

In vier Foren wurden anschließend die Anerkennungs- und Anrechnungspraxis an den Hochschulen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet:

A. Studentische Mobilität durch faire und effiziente Anerkennungswege erhöhen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten verschiedene Elemente guter Anerkennungspraxis, darunter zentral die Akkreditierung als ein möglicher Anstoß zur Überprüfung des Status quo und Studiengangsgestaltung als Chance für die Internationalisierung. Daran anschließend wurde deutlich, dass eine verbesserte Datenlage wichtig für die zukünftige Entwicklung von Anerkennung ist, dass die Notenumrechnung weiterhin viele Herausforderungen birgt und dass die Gewährleistung von transparenten Verfahren ein komplexer Vorgang ist.

Impulse:
Michaela Fuhrmann, Universität Potsdam (Präsentation), 
Prof. Dr. Mathias Hinkelmann, Hochschule der Medien Stuttgart (Präsentation)

B. Durchlässigkeit gestalten mit Hilfe transparenter Anrechnungsprozesse

Im Forum wurden Datenbanklösungen für Anrechnungen anhand eines konkreten Beispiels diskutiert und als wertvolles Instrument für gute Verfahren gesehen. Außerdem wurde angeregt, dass man Anrechnungsverfahren studierendenfreundlicher (beispielsweise bei der Portfolioerstellung) gestalten müsse, da sich Studierende häufig ihrer eigenen Kompetenzen nicht bewusst seien. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass bereits vorhandene gute Beispiele in diesem Bereich (Beratung/ Portfolioerstellung, Datenbanken) unbedingt geteilt und verbreitet werden sollten.

Impuls:
Prof. Dr.-Ing. Ulrich Schmitt, Hochschule Aalen (Präsentation)

C. Möglichkeiten der Digitalisierung für Anerkennungs- und Anrechnungsverfahren nutzen

Anhand von zwei konkreten Lösungen wurden Chancen und Hindernisse der Digitalisierung von Anerkennung und Anrechnung diskutiert. Die Impulsgeber regten an, die Scheu abzulegen und mit dem Aufbau digitaler Strukturen für Anrechnung und Anerkennung an der eigenen Hochschule zu beginnen. Bei einer Umfrage sahen die Teilnehmer das größte Hindernis bei der Vermittlung zwischen den verschiedenen Akteuren innerhalb der Hochschule.

Impulse:
Prof. Dr. Ulrich Schäfermeier, Fachhochschule Bielefeld (Präsentation), 
Dr. Ulrike Hillemann-Delaney, Technische Universität Berlin (Präsentation)

D. Wandel der Bedarfe an Hochschulen ermitteln

Im Forum wurden Erfolge und Herausforderungen in Anerkennung und Anrechnung erörtert und konkrete Bedarfe und Maßnahmen für eine optimierte Praxis zur Diskussion gestellt. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Bedarfe je nach Hochschulprofil und Größe stark voneinander unterscheiden. Umso wichtiger wurde es erachtet, dass ein ständiger Austausch nicht nur zwischen den Hochschulen, sondern auch mit außerhochschulischen Partnern, wie z. B. IHKs und Berufsschulen, stattfinden sollte. Den Beitrag von MODUS zum Kulturwandel in den Hochschulen sahen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im weiteren Ausbau zielgruppengerechter Beratungs- und Informationsangebote. So könnte das HRK-Projekt z.B. das zuständige Personal in den Hochschulen über die Ländergrenzen hinweg mit Hilfe niederschwelliger Angebote weiterqualifizieren.

Impulse: 
Prof. Dr. André von Zobeltitz und Larissa Langheim, Hochschule Weserbergland (Präsentation), 
Dr. Susanne Jaudzims, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (Präsentation)

Am Nachmittag  wurden die geplanten Projektmaßnahmen vorgestellt und insbesondere das Beratungsangebot für die Hochschulen in einer Diskussion mit zwei potenziellen Beratern näher erläutert.

Barcamp

In den Barcamps am zweiten Tag zeigte sich in drei Sessions die Vielfalt der Aspekte, die mit Anrechnung und Anerkennung in den Hochschulen verknüpft sind.

Session I: Entwürfe

  • Anerkennung externer Fachpraktika im Fachstudium
  • Kompetenzorientierte Anrechnung von Berufspraxis (LP-Lücke BA-MA)
  • Meisterschüler wird mit Master verwechselt
  • Studentische Partizipation fördern
  • Anrechnung von Studienleistungen International

Session II: Lösungen

  • Anerkennungsverfahren aus Ausbildung
  • Digitale Anrechnungsüberprüfung
  • Hochschulindividuelle digitale Lösungen für Anerkennung und transparente Prozesse
  • Mobilitätsförderndes Studiengangdesign
  • Studienleistungen ohne Noten anerkennen
  • Einbettung von Mobilitätsfenstern
  • Anerkennung auf Antrag /Anrechnung von Fehlversuchen laut APO

Session III: Trends

  • Anrechnung von studentischem Engagement
  • Anrechnung von Online-Kursen ohne Credits
  • ECTS-Umrechnung ausländischer Leistungen
  • Hochschule als Bildungsanbieter auf DQR-Stufe 5
  • Auswirkungen einer diversen Studierendenschaft
  • Englischsprachige Studiengänge und Internationalisierung
  • Mobilitätsförderndes Studiengangdesign

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